Interview mit Sara von @potz_pilz: „Wir haben das Potenzial der Pilze noch nicht erkannt.“

Interview mit Sara von @potz_pilz: „Wir haben das Potenzial der Pilze noch nicht erkannt.“

„Alle Pilze kann man essen, aber manche nur einmal.“ Dieser witzig gemeinte Spruch verkennt, dass Pilze in der Heilkunde, insbesondere in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), seit mindestens 3.000 bis 4.000 Jahren als Heilmittel genutzt werden. Der Shiitake-Pilz wurde zum Beispiel bereits im alten China zur Behandlung von Erschöpfung und verschiedenen Krankheiten eingesetzt.

Wer sich nun fragt, warum wir als Supplement-Firma, die vor allem mit Vitaminen und Mineralstoffen hantiert, uns mit dem Thema beschäftigen: Weil wir glauben, dass es viele Wege zur Gesundheit gibt und uns freuen, dass wir eine Pilz-Expertin in unserem Freundeskreis haben – Sara von @potz_pilz – die uns nicht nur auf Instagram einiges Interessantes zum Birkenporling erzählt, sondern auch für unseren Blog mit uns über ihren „Pfad zum Pilz“ geplaudert hat.

Warum beschäftigst du dich mit Pilzen?

Meine Mutter hat früher Totentrompeten und Schopftintlinge (zwei eher außergewöhnliche Arten) gesammelt und diese für uns zubereitet. Das fand ich schon damals sehr lecker. Und ich habe als Kind Bilder mit den bunten Sporenabdrücken von Pilzen gemacht. Dann gab es eine lange Pause und mit Ende 30 ist die Leidenschaft wieder entflammt. Mein Mann hat mir dann zum 40. Geburtstag gleich mal vier Pilzkurse geschenkt.

 

Was ist das Spannendste am Pilzesammeln?

Anfänglich habe ich Pilzen in Massen gesammelt und dann gab es große, schwer verdauliche Pilzpfannen mit Sahne. Heute gehe ich sehr selektiv vor und bereite Pilze nur in kleinen Mengen, meistens mit Butter, Pfeffer und Salz, zu. Außerdem habe ich mittlerweile eine Liste von eher seltenen Pilzen, die ich suche, um sie dann quasi als gefunden abzuhaken. Dazu muss man sich mit Bodenbeschaffenheit, Zeigerpflanzen, Bäumen und dem Habitat der Pilze auskennen. Das finde ich sehr spannend.

 

Woher kennst du dich mit Pilzen aus?

Zuerst habe ich hauptsächlich mit dem Kosmos-Naturführer „Welcher Pilz ist das?“ von Markus Flück (2009) gearbeitet. Dann gab es 2019 plötzlich diesen Pilzkanal auf Youtube: https://www.buschfunkistan.de/. Dort stellen Norman und Vanessa ihr großes Wissen über Pilze und Wildkräuter zur Verfügung. Ich habe mir unzählige Videos angeschaut und diese mit meinen Funden verglichen. Zusammen mit den vier Pilzkursen habe ich nun ein recht solides Wissen.

 

In welcher Form kann ich Pilze einnehmen und was ist der Unterschied zwischen den Verabreichungsarten?

Falls es um Heilpilze geht, so kann man aus den getrockneten Pilzen, beziehungsweise den zu Pilzpulver zermahlenen Pilzen einen Tee machen, um die wasserlöslichen Inhaltsstoffe einnehmen zu können. Auch ein Sud ist natürlich denkbar. Eine weitere Möglichkeit ist, einen alkoholischen Extrakt aus den Pilzen zu machen, um noch weitere Inhaltsstoffe zu lösen. Auch ein dualer Extrakt wäre sinnvoll, also wässrig mit alkoholisch. Da kann man dann fast das ganze Potenzial des Pilzes ausschöpfen.

 

Was ist dein Lieblingspilz und wieso?

Meine beiden Lieblingspilze sind die Totentrompete, weil sie hier recht selten ist, ein köstlicher Würzpilz ist und noch dazu einfach abgefahren aussieht, und der Flockenstielige Hexenröhrling, der mit seinen purpurroten Röhren auch ein tolles Aussehen hat und beim ersten Anschneiden sofort blau anläuft. Auch die „Hexe“ ist ein hervorragender fester Speisepilz.

 

Worauf muss man achten, um nicht die falschen Pilze zu essen?

Das kann und sollte man so pauschal nicht sagen. Empfehlenswert sind Pilzwanderungen mit Leuten, die sich auskennen, um Pilze erst einmal eindeutig zu bestimmen. Es gibt auch vielerorts Pilzsachverständige, denen man sein Pilz-Körbchen zeigen kann. Und falls man es auf eigene Faust versuchen will, ist es sehr wichtig, essbare Pilze und deren giftige Doppelpartner ganz genau unterscheiden zu können. Gute Anfänger-Pilze sind Röhrlinge, da gibt es nicht sehr viele giftige Sorten und diese kommen zumindest hier in Brandenburg nicht besonders häufig vor.

 

Wo kann etwas über die Heilkraft der Pilze lernen?

Ein paar Quellen habe ich ja bereits genannt. Wer sich eingehender mit der Heilkraft der Pilze auseinandersetzen will, dem sei dieses Werk empfohlen: Heilende Pilze Weltweit von Jürgen Guthmann.

 

Welche "Werkzeuge" muss ich haben?

Da braucht es nicht viel. Ein kleines Körbchen und ein Pilzmesser, am besten mit einem kleinen Pinsel dabei, um die Pilze gleich im Wald etwas zu säubern, reichen aus. Übrigens ist es ein Mythos, dass Pilze nicht herausgedreht werden dürfen, sondern nur abgeschnitten werden sollen. Da der Pilz ja nur der Fruchtkörper des Myzels ist, ist es diesem relativ egal, wie der Pilz entnommen wird, solange man die Entnahmestelle wieder ein wenig mit Erde bedeckt.

 

Bietest du auch Pilzkurse an?

Ich bin hauptsächlich mit Freundinnen und Bekannten unterwegs, habe aber letztes Jahr zum ersten Mal in meinem Berufsverband eine Pilzwanderung angeboten. Das hat sehr viel Spaß gemacht und das würde ich auch gerne wiederholen. Mein Ziel ist es, irgendwann auch die Prüfung zur Pilzsachverständigen abzulegen.

 

Hast du schon mal Micro-Dosing versucht?

Nein, aber Makro-Dosing. Und das war sehr lustig! 😊 Aber im Ernst: Ich glaube, wir haben die Kraft und das ganze Potential der Pilze noch längst nicht erkannt.

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