Eine Frage vorab: Warum wurden bei den Enhanced Games – ein im Mai 2026 erstmals ausgetragener Sportwettbewerb, bei dem die Einnahme leistungssteigernder Substanzen unter ärztlicher Aufsicht ausdrücklich erlaubt und Teil des Konzepts war - eigentlich weit weniger neue Rekorde erzielt als erwartet? Und was ist es eigentlich, was wir im sportlichen Wettkampf sehen wollen? Ein Kommentar.
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Der Sport liebt seine Illusionen: Fairness. Natürlichkeit. Gleiche Voraussetzungen. Der olympische Gedanke.
Doch wenn wir ehrlich sind, existieren diese Ideale längst nur noch auf dem Papier. Überall dort, wo (viel) Geld mit dem Sport und den Sportler:innen verdient wird und es um Existenzen geht, wird „betrogen“. Und genau hier setzen die sogenannten Enhanced Games an – ein Konzept, das für viele wie ein dystopischer Albtraum klingt, aber für andere wie die ehrlichste Form des modernen Leistungssports erscheint.
Die Idee ist simpel – und radikal: Athleten dürfen leistungssteigernde Substanzen nutzen. Offen, kontrolliert und ohne Heuchelei. Kein Versteckspiel mehr. Kein Doping-Skandal. Keine zerstörten Karrieren durch überraschende Tests. Stattdessen: Transparenz. Doch ist das wirklich Fortschritt?
Der Elefant im Raum: Doping ist längst da
Die größte Lüge im Spitzensport ist nicht Doping. Die größte Lüge ist, dass er ohne Doping funktioniere. Das soll nicht heißen, dass ausnahmslos alle dopen, oder überall systematisch gedopt wird. Aber Doping ist und bleibt präsent.
Dabei zeigen die Skandale seit Jahrzehnten immer wieder das gleiche Bild: Athlet:innen auf höchstem Niveau bewegen sich in einem System, das Leistung um jeden Preis belohnt - und dieser Preis ist oft chemisch. Von Ben Johnson bis Lance Armstrong – die Geschichte ist voll von Athlet:innen, die nicht nur gegen Gegner, sondern gegen ein ganzes System verloren haben.
Die Frage ist also nicht, ob gedopt wird. Sondern, warum wir weiterhin so tun, als wäre es nicht so.
Warum sind immer neue Spitzenleistungen plötzlich „natürlich“, zu Ullrich- und Armstrong-Zeiten waren sie dies aber nicht? Sei es im Radsport, Triathlon, Leichtathletik oder Kraftsport: Dauernd gibt es neue Leistungsrekorde. Und das soll dopingfrei geschehen sein, nur weil die vielen Dopingtest negativ ausfallen? Tatsache ist doch: „Doper“ sind den Kontrollen immer einen Schritt voraus. Und ein Test kann nicht positiv ausfallen, wenn der Test gar nicht weiß, worauf der testen soll.
Jahrelang wurde mit EPO gedopt, weil es nicht nachweisbar war. Im Vergleich dazu stehen heute noch viel subtilere und feinjustierbare Substanzen zur Verfügung. Von potentiellen genetischen Manipulationen der Zukunft mal ganz abgesehen.
Sicherlich ist es so, dass auch die Entwicklungen in Trainingsmethodik, Ernährung und Material der vergangenen 15 bis 20 Jahren zu den Leistungssteigerungen beitragen. Aber erklärt das alles?
Aber zurück zu den Enhanced Games und der Frage: Ehrlichkeit statt Heuchelei?
Die Befürworter argumentieren: Wenn ohnehin gedopt wird, warum dann nicht unter medizinischer Aufsicht? Dann gäbe es sichere Dosierungen, transparente Nutzung und gleiche Regeln für alle statt eines Systems, das Athleten in die Grauzone zwingt.
Die Enhanced Games schaffen es mit dieser Logik sogar, dass „Schmuddel-Image“ von Doping umzudrehen, indem nicht mehr gefragt wird: „Wer betrügt am besten?“, sondern: „Wer optimiert am intelligentesten?“ Das klingt für viele erschreckend. Aber ist es wirklich so weit entfernt von der Realität?
Die unbequeme Wahrheit ist: Auch „clean“ ist nicht natürlich.
Moderne Athleten arbeiten längst mit:
- hochoptimierter Ernährung
- legalen Supplements
- Schlaf-Tracking
- Blutanalysen
- Performance-Daten
Der menschliche Körper wird schon heute bis ins Detail „optimiert“. Der Unterschied? Ein paar Moleküle, die auf der falschen Liste stehen. Die Grenze zwischen „natürlich“ und „künstlich“ ist längst verschwommen. Enhanced Games machen nur sichtbar, was ohnehin passiert.
Der eigentliche Konflikt lautet dagegen: Leistung vs. Ethik
Diese Diskussion ist nicht medizinisch; sie ist moralisch. Sie stellt die Frage: Was wollen wir im Sport sehen? Den besten natürlichen Menschen? Oder die maximal mögliche menschliche Leistung? Das sind zwei völlig unterschiedliche Dinge. Und vielleicht haben wir zu lange so getan, als wären sie dasselbe.
Die Risiken: Ein Spiel mit dem Körper
Natürlich gibt es massive Gegenargumente:
- gesundheitliche Risiken
- steigender Druck auf Athleten
- ein „Wettrüsten“ mit immer stärkeren Substanzen
Kritiker befürchten eine Zukunft, in der Athleten ihren Körper für Rekorde opfern. Und ganz ehrlich: Diese Sorge ist nicht unbegründet. Denn wenn alles erlaubt ist – wo zieht man dann die Grenze?
Fazit: Zukunft oder Warnsignal?
Die Enhanced Games sind nicht nur ein kleines Performance-Experiment. Sie sind ein Spiegel. Ein Spiegel für einen Sport, der längst zwischen Ideal und Realität zerrissen ist. Und vielleicht sind sie nur der nächste logische Schritt. Aber vielleicht auch ein Punkt, an dem wir innehalten müssen. Eines sind sie auf jeden Fall: Ein ehrlicheres Gespräch, als wir es bisher geführt haben. Und genau deshalb sorgen sie für so viel Unruhe.
Übrigens: VIVSTER Health engagiert sich für sauberen Sport. Deshalb haben wir auch unser Sportprodukt PERFORM im Labor auf dopingrelevante Substanzen prüfen lassen.
